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KunsthofHeidenschanze 24
Der Hof

Ein Ort mit langer Vorgeschichte

Wer hier wohnt, wohnt auf einer Hochfläche, die seit dreitausend Jahren genutzt wird — als Burg, als Dorf, als Bergbaurevier. Vieles davon ist im Gelände noch zu sehen.

Der Hof liegt dabei in einer Senke zwischen zwei Höhen. Gut zweihundertfünfzig Meter westlich steigt die Collmberghalde auf etwa 220 Meter an — ein Hügel, der keiner ist, sondern aufgeschüttet. Nach Südosten klettert das Gelände Richtung Gittersee über 240 Meter. Dazwischen liegt der Hof auf gut 180 Metern, an der Kante über dem Plauenschen Grund. Was in der Halde liegt, erzählt die jüngste Geschichte des Ortes; der Name der Straße erzählt die älteste.

Senkrechte Luftaufnahme des gesamten Anwesens: unten die vier Garagen unter einem Dach, oben der zusammenhängende Baukörper aus Haus 3 mit der Halle, Haus 2 und Haus 1.
Das ganze Anwesen: unten die Garagenzeile, oben die Wohnhäuser mit der Halle.
Um 1300 vor Christus

Die Heidenschanze

Zwischen Dresden und Freital schneidet die Weißeritz eine enge Schlucht in die Hochfläche, den Plauenschen Grund. An seinem Rand springt ein Sporn aus Monzonit rund neunzig Meter über die Talsohle vor. Dort entstand nach etwa 1300 vor Christus eine befestigte Höhensiedlung.

Ihr Wall bestand zwischen 1200 und 500 vor Christus. Haupt- und Vorburg zusammen umfassten 21.000 bis 25.500 Quadratmeter — für die Bronzezeit eine beachtliche Anlage. Um 1000 vor Christus brannte sie; Brandschichten belegen mehrere Zerstörungen. Ab dem 9. Jahrhundert siedelten Slawen erneut auf dem Sporn, im 10. Jahrhundert diente die Burg als Burgward.

Der Abschnittswall steht stellenweise bis heute elf Meter hoch, davor liegt der Wehrgraben. Dass es sich um eine Befestigung handelt, wurde erst 1864 wissenschaftlich erkannt. Bis 1945 zerstörte ein Steinbruch etwa fünfzehn Prozent der Innenfläche; der Betrieb endete 1963, unter Schutz steht die Anlage seit den frühen 1970er Jahren. Sie gilt als das bedeutendste vorgeschichtliche Bodendenkmal bei Dresden.

1284

Coswiz, später Coschütz

Das Dorf am Fuß der Schanze wird 1284 als Coswiz erstmals urkundlich erwähnt. Der Name ist slawischen Ursprungs und wird als „Leute eines Koš" gedeutet — benannt nach dem Mann, der die Siedlung anlegte. Jahrhundertelang blieb Coschütz ein Bauerndorf; 1547 zählte man ein gutes Dutzend Bauern.

Am 1. April 1921 wurde Coschütz nach Dresden eingemeindet. Der Ortsteil liegt heute zwischen 140 und 255 Metern über dem Meer am Südhang des Elbtalkessels, gut vier Kilometer von der Innenstadt entfernt.

16. Jahrhundert bis 1990

Kohle, Uran, und was davon blieb

Unter der Hochfläche liegt das Döhlener Becken. Seine Steinkohle wurde bereits im 16. Jahrhundert entdeckt, in Gittersee ab 1809 planmäßig abgebaut. Das prägte die Gegend über Generationen: ein Bauerndorf, das zum Bergmannsort wurde. Auch am Collmberg, gleich hinter dem Hof, gingen Schächte in die Tiefe; sie gehörten zum Coschützer Steinkohlenwerk.

Nach 1945 kam ein zweites Kapitel hinzu. In der Kohle des Döhlener Beckens steckt Uran, und die sowjetisch-deutsche Wismut suchte danach. Zwischen 1947 und 1950 untersuchte sie die Anomalien in einem Revier, das sie nach der Burg benannte: dem Bergbaurevier Heidenschanze. 1948 wurde es über drei Verbruchpunkte und elf Schächte erschlossen, die alten Schächte am Collmberg wurden wieder aufgemacht.

Das Revier trug zwar den Namen der Burg, lag aber nicht auf ihr, sondern auf dem Höhenzug des Collm südlich davon — also dort, wo heute der Hof steht. Wie nah, zeigt sich an den überlieferten Schachtkoordinaten: der nächste Schacht lag keine siebzig Meter vom Grundstück entfernt.

Der Uranbergbau hier war kurz. Die Erzkohle ließ sich nur schwer aufbereiten, und mit den Funden bei Ronneburg gab es Ergiebigeres. Von 1948 bis Dezember 1954 förderte das Revier rund 347.000 Tonnen Erzkohle mit etwa 278 Tonnen Uran — gemessen an Ronneburg wenig. Zum 31. Dezember 1955 stellte die Wismut die Arbeiten ein und übergab Grubenbaue und Schächte an das VEB Steinkohlenwerk Freital. Die Kohle wurde noch bis 1967 gefördert.

Verarbeitet wurde das Erz nebenan: zwischen 1947 und 1950 errichtete die Wismut in Coschütz die Aufbereitungsanlage „Fabrik 95". Bis 1962 verarbeitete sie rund 3,8 Millionen Tonnen Erz und gewann daraus etwa 7.000 Tonnen Uran. Die Rückstände blieben unmittelbar daneben liegen.

Die terrassierte Halde in ganzer Ausdehnung, dahinter der Ort und die Hügel des Tals.
Die begrünte Halde — die auffälligste Landmarke der Umgebung.
1948 bis 1955

Die Schächte in der Nachbarschaft

Acht Schächte, Schürfe und Tagesstrecken sind für das Revier Heidenschanze überliefert. Sieben davon liegen im Umkreis von einem halben Kilometer um den Hof. Übertage ist von ihnen nichts mehr zu sehen.

Entfernung und Richtung vom Kunsthof aus, gerechnet aus den überlieferten Koordinaten.
Schacht Wismut-Nr. Teufe Vom Hof Art
Wetterschacht 194 12,34 m rund 60 m südlich Bewetterung
Fallort 300 112 55,87 m rund 165 m westlich Tagesstrecke
Fallort 200 95 22,50 m rund 185 m westlich Tagesstrecke
Schurf 50 195 33,42 m rund 270 m südöstlich Schurf
Schacht 8 269 269,34 m rund 305 m südlich Hauptschacht des Reviers
Schurf 40 193 24,50 m rund 345 m westlich Schurf
Schurf 60 192 43,30 m rund 500 m südwestlich Schurf
Schacht 4 361 192,30 m rund 1.190 m südwestlich Flucht- und Wetterschacht

Der tiefste war Schacht 8 mit gut 269 Metern — er reichte bis auf die neunte Sohle. Der nächstgelegene dagegen war ein Wetterschacht von nur zwölf Metern; sein überliefertes Ansatzniveau von 178 Metern über dem Meer passt genau zum Gelände dort. Nach 1955 wurden die Schächte verfüllt und die Anlagen abgeräumt.

1993 bis heute

Die Halde vor der Tür

Was aus der Ferne wie ein bewachsener Hügel aussieht, ist aufgeschüttet. Zwei Vorhaben haben mit dem Erbe aufgeräumt, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten — das eine ist fertig, das andere läuft noch.

Das Ökologische Großprojekt Dresden-Coschütz/Gittersee begann 1993 und galt dem Gelände der ehemaligen Fabrik 95 samt seinen Absetzanlagen: rund 76 Hektar, 1,7 Millionen Kubikmeter bewegtes Material, 45,5 Millionen Euro von Stadt, Land und Bund. Am 13. August 2012 wurde es offiziell abgeschlossen. Wo die Uranaufbereitung stand, arbeiten heute Betriebe im Gewerbegebiet.

Die Collmberghalde dagegen — die, die man vom Hof aus sieht — ist ein eigener Fall und war lange der letzte offene. Auf rund 17 Hektar liegen dort taubes Uranerz aus den Jahren 1946 bis 1990, Dresdner Hausmüll und Asche aus dem Heizkraftwerk Nossener Brücke übereinander. Ihre Sanierung hat erst im Dezember 2023 begonnen; Stadt Dresden und Wismut GmbH tragen sie gemeinsam. Wer hier wohnt, bekommt sie derzeit unmittelbar mit — 2027 soll sie fertig sein. Danach soll die Halde als Naherholungsfläche dienen, mit Wegen, heimischen Pflanzen und Lebensraum für seltene Arten. Vor der Haustür entsteht also gerade ein Stück Landschaft.

Seit 2023 erklären Infotafeln auf der bereits sanierten Halde in Coschütz-Gittersee, was hier geschah. Wer sie liest, versteht die Gegend besser: Diese Landschaft ist gemacht, nicht gewachsen.

2004

Die Brücke über den Grund

An seiner engsten Stelle ist der Plauensche Grund nur rund 150 Meter breit. Genau dort überspannt ihn seit 2002 die Weißeritztalbrücke der A 17: gut 218 Meter lang, auf vier Stahlbetonpfeilern 28 Meter über der Talsohle, unmittelbar vor dem Coschützer Tunnel. Der 8,85 Kilometer lange Abschnitt zwischen Dölzschen und Coschütz wurde am 22. Dezember 2004 freigegeben.

Vom Hof aus liegt die Brücke im Blick — dreitausend Jahre nach dem Wall die jüngste Antwort auf dieselbe Frage: wie man dieses Tal überwindet.

Die Häuser

Die alte Bergwacht

Der Bergbau steht nicht nur unter dem Hof, er steht auch auf ihm. Haus 3, das mit der Halle im Erdgeschoss, heißt hier seit jeher die alte Bergwacht. Der Name ist überliefert, nicht aktenkundig — aber er passt: Der nächste Schacht lag keine siebzig Meter entfernt, und ein Gebäude dieser Größe stand hier oben nicht ohne Grund. Wer heute in der Halle steht, steht in einem Raum, der den Bergbau um Jahrzehnte überlebt hat.

So gesehen ist der Kunsthof die dritte Nutzung derselben Kuppe: erst die Burg, dann die Grube, jetzt Wohnen und Arbeiten. Verschwunden ist keine davon ganz — der Wall steht noch, die Halde auch, und die Bergwacht hat neue Fenster bekommen.

Heute

Der Hof von oben

Die drei Wohnhäuser stehen unter einem durchgehenden Dach: Haus 3 mit der Halle liegt links und etwas tiefer, Haus 2 darüber rechts, Haus 1 darunter. Talseitig folgt die Garagenzeile. Das Tiny Home steht abseits auf der Wiese unter einem Baum und ist von oben deshalb kaum zu sehen.

Senkrechte Luftaufnahme des Kunsthofs Heidenschanze 24 mit den zusammenhängenden Wohnhäusern, der Zufahrt und den angrenzenden Freiflächen.
  1. 1 Haus 1 — zwei Wohnungen (Erd- und Obergeschoss)
  2. 2 Haus 2 — eine Einheit über Ober- und Dachgeschoss
  3. 3 Haus 3 — Halle im Erdgeschoss, Wohnung darüber
  4. 4 Vier Garagen unter einem Dach
  5. 5 Tiny Home — der ehemalige Hühnerstall, unter dem Baum

Quellen zur Ortsgeschichte: Landesamt für Archäologie Sachsen zur Heidenschanze; Wikipedia-Artikel „Heidenschanze bei Dresden", „Coschütz (Dresden)" und „Weißeritztalbrücke"; Landeshauptstadt Dresden zum ökologischen Großprojekt Coschütz/Gittersee und zur Sanierung der Collmberghalde. Schachtnummern, Tiefen und Koordinaten des Reviers Heidenschanze nach der Dokumentation zum Wismut-Objekt 06/15/49.

Entfernungen und Höhen sind aus den überlieferten Koordinaten und dem europäischen Höhenmodell gerechnet — sie stimmen auf einige Meter, nicht auf den Meter. Für die Hochfläche selbst gibt es keinen eigenen Namen; sie gehört naturräumlich zum Östlichen Erzgebirgsvorland. Einen Namen trägt dagegen der Höhenzug im Westen: der Collm, nach dem auch die Halde heißt. Dass Haus 3 die alte Bergwacht war, ist am Ort überliefert und nicht aus Akten belegt. Angaben nach bestem Wissen; für Hinweise auf Fehler sind wir dankbar.